19. Spieltag: HC Elbflorenz vers. SG LVB Leipzig 22:26 (15:13)

„Handballerische Schizophrenie“ – HC verliert erneut daheim

Viele standen am Samstag nach dem Derby gegen die SG LVB Leipzig kopfschüttelnd in der Halle. Was die Dresdner Fans gesehen hatten, war so kurz nach dem Spiel unerklärlich. Auch mit etwas Abstand fallen Erklärungen schwer. Es war wie „Gegenteiltag“ an dessen Ende für den HC das Gegenteil von Heimsieg stand. Zurückhaltend ist man in Dresden wenn es darum geht mit der Mannschaft hart ins Gericht zu gehen. Was die Mannschaft jedoch in der 2. HZ im Angriff zeigte, sollte die Mannschaft dazu veranlassen, mit sich selbst hart ins Gericht zu gehen. Auch die Zurückhaltung bei der Berichterstattung muss heute etwas ruhen. Danach muss dann aber wieder der Blick nach vorne gehen, weiterhin mit dem klaren Ziel Klassenerhalt vor Augen. 

In den ersten 30 Minuten wies zunächst nichts daraufhin was die 2. HZ bieten sollte. Die Dresdner begannen gut durch einen Treffer von Alexander Matschos und eine Parade von Jan Resimius. Die Leipziger, die über weite Strecken der gesamten Spielzeit Probleme hatten ihren Positionsangriff zu etablieren, waren vor allem über die Zweite Welle und die Schnelle Mitte erfolgreich. Wenn etwas im Positionsangriff bei den Leipzigern ging, dann über den starken Kreisläufer Tommi Sillanpää und Einzelaktionen des Spielmachers Max Berthold. Sillanpääs Leipziger Kreiskollege Oliver Wendtland meldeten die Dresdner in seinen Einsatzzeiten fast komplett ab. Die Dresdner selbst spielten wohl eine ihrer besten Halbzeiten und fast konnte man das Gefühl bekommen, dass es ein sehr gutes Heimspiel werden könnte. Dies im Blick darauf, dass die Dresdner nicht unbedingt mit Heimstärke verwöhnen. Die Heimpunktbilanz spricht Bände. Beim 13:10 in der 23. Minute hatten sich die Dresdner einen ersten kleinen Vorsprung erspielt. Bis zur 26. Minute blieb der Vorsprung bestehen (14:11). Leider lies man zweimal die Chance verstreichen noch höher zu führen und so konnten die Leipziger weiter Anschluss halten und trafen durch Berthold und Wittig noch zweimal. Die Dresdner ihrerseits trafen noch einmal durch Mario Scholz zum zwischenzeitlichen 15:12. So ging der HC mit einer 15:13 Führung in die Halbzeitpause. Die Dresdner Zuschauer hatten eine gute Dresdner Mannschaft gesehen.

Was die Dresdner Zuschauer in der 2. HZ zu sehen bekamen, war in weiten Teilen handballerisch schwer verdaubare Angriffskost. Da hilft kein drumherum reden. In den ersten vier Angriffen verwarfen die Dresdner 2 Konter sowie einmal knochenfrei vom Kreis und produzierten einen Technischen Fehler. Leider sollte es im Angriff nicht mehr besser werden. Die HC Abwehr stand hingegen weiter mehr als ordentlich und ein sich steigernder Jan Resimius im HC Tor hielt im 2. Spielabschnitt starke 43 Prozent der Leipziger Würfe. Klingt eigentlich nach optimalen Voraussetzungen um ein Heimspiel zu gewinnen. In der 37. Minute ließen sich die Leipziger allerdings nicht mehr bitten und führten durch einen Treffer durch Jacob Fritsch mit 16:17. Daneben trug auch der Leipziger Keeper Patrick Ziebert dazu bei, dass die Messestädter im Spiel blieben. Oft musste der Leipziger Schlussmann aber auch überhaupt nicht eingreifen, denn die Hausherren leisteten sich sagenhafte zehn ihrer elf Technischen Fehler im 2. Spielabschnitt. Wie als hätte es die 1. HZ nicht gegeben, agierte man im Angriff ideen- und drucklos. Da sich die SG LVB zunächst nicht wirklich steigerte, blieben die Dresdner jedoch noch im Spiel. Durch das 19:19 durch den Dresdner Jörg Reimann gingen beide Mannschaften Seite an Seite in die letzten knapp 20 Minuten. Jedoch konnten die Dresdner an diesem Tag vor allem eines, nämlich im Angriff noch einen Gang herunterschalten. Leipzig wollte sich dann auch nicht mehr wehren und hatte bis in die 50. Minute einen 4-Toreabstand 19:23 herausgeworfen. Die Dresdner brauchten eine Handballewigkeit von ca. 9 Minuten, um auf das 19 das 20 Tor draufzulegen. Es hatte schon etwas von „handballerischer Schizophrenie“ wie sich die Dresdner die Bälle in der Abwehr immer wieder erkämpften, um sie dann wenig später mit einer gegen Null tendierenden Inspiration wegzugeben. Es war als lebten Angriff und Abwehr in Paralleluniversen die nichts miteinander zu tun hatten. So schlugen die Dresdner auch in den letzten 10 Minuten alle Angebote der Leipziger aus das Spiel noch positiver zu gestalten. Am Ende gewann Leipzig verdient mit 22:26. Die Dresdner erzielten in der 2. HZ ganze sieben Tore. So wenig wie noch nie in dieser Saison.

Leipzig gewann verdient und diese soll nicht kleingeredet werden. Jedoch wird auch die Leipziger Seite ihr Glück in der 2. HZ kaum verstanden haben. Was die Dresdner boten war vor allem nach der 1. HZ unverständlich. Positives? Ja, das gab es. Ein in der 2. HZ gut aufgelegter Jan Resimius im Tor und eine über weite Strecken gut stehende Abwehr, die vieles umsetzte was man sich vorgenommen hatte. Dazu kam ein guter Spielmacher Florian Pfeiffer sowie mit Denny Mertig und Vladan Kovanovic zwei zuverlässige Außen. Insgesamt bringt sich die Mannschaft immer mehr in eine Position, die im letzten Drittel der Saison ein Endspiel nach dem anderen bereithalten wird. In den nächsten beiden Spielen ist man so oder so klarer Außenseiter. Vielleicht liegt dies der Mannschaft derzeit mehr.

Tore: Möbius, Hubald 2, Rudow, Scholz 2, Pfeiffer 4, Reimann 2/1, Mertig 3, Geyer, Grießbach, Matschos 2, Kovanovic 4, Knudsen 3, Geyer, Balster/Resimius (Tor) 

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