29. Spieltag: HC Elbflorenz vs. SG LVB Leipzig 37:22

(c) HC Elbflorenz #medienwart Foto: Thomas Heide

HC Elbflorenz schreibt Dresdner Handballgeschichte – Aufstieg in die 2. Bundesliga

Natürlich wird das hier eine Jubelarie sondergleichen und natürlich werden Sie hier etwas weniger als gewohnt über das Spiel lesen. Geschrieben wird das ganze im Aufstiegsshirt. Ist doch klar!

Vor dem Bericht wollen wir aber, dass Sie sich auf ein kleines Experiment einlassen. Wenn Sie das erste Mal vor einem Spiel in der 2. Bundesliga in der neue Halle stehen, schließen Sie die Augen und stellen sich Folgendes vor: Sie stehen im Spätsommer 2006 im Norden von Dresden in einer Halle, welche in ihren Ausmaßen nicht für den Spielbetrieb vorgesehen ist. Nur mit einer  Sondererlaubnis dürfen Sie dort in der damaligen Oberliga spielen. Zuschauer passen kaum rein und sitzen mit einem Fuß auf der Außenlinie. Die Mannschaft, die Sie haben, wird mit Sicherheit die ganze Saison lang um den Klassenerhalt spielen. Ein Handballprojekt in Dresden ist erst vor kurzem gescheitert und Sie und ein paar wenige „Verrückte“ wollen nun dem Dresdner Handball neues Leben einhauchen. Dafür werden Sie teilweise belächelt. Zwischendurch erleben Sie viele Höhen, aber auch Tiefen. Leute kommen und gehen und einige bleiben die gesamte Zeit. Und irgendwo auf diesem Weg beginnt ein Mann, Leidenschaft für diesen Verein zu entwickeln und mit ihm immer mehr Leute. Bei allem Finanziellen ist es immer die Leidenschaft, die ihn antreibt und die ihn sicher auch einmal verzweifeln ließ. Seine Mitstreiter und er verlieren ihre Vision für den Dresdnern Handball aber nicht aus den Augen. Wenn Sie die Augen nun wieder öffnen und der erste Anpfiff ertönt, sehen Sie, was aus Leidenschaft und einer Vision werden kann. Wenn Sie uns gewogen bleiben, teilen Sie bitte unsere Leidenschaft und unterstützen unsere Visionen. Dann ist noch viel möglich!

Zum Spiel: Die Dresdner begannen gut und führten schnell mit 3:0. Der an diesem Tag starke Sebastian Greß, Gabriel De Santis und der erneut beste HCE-Torschütze Tim-Philip Jurgeleit waren die Torschützen. Auch Torhüter Henrik Ruud Tovas deutete schnell an, dass er im Dresdner Tor wieder einen sehr guten Tag erwischt hatte. Die abstiegsbedrohten Leipziger trafen erst in der 5. Minute das erste Mal. Clemens Uhlig traf aus dem Rückraum. In den kommenden Minuten waren die Leipziger etwas besser als zu Beginn der Partie, den Takt gaben aber immer die Dresdner vor. Nach zwei Kontertoren durch René Boese zum  8:4 und 9:4 musste Gästetrainer Henoch seine erste Auszeit relativ früh nehmen, nämlich in Minute 12. Die Auszeit änderte nicht viel am Spielverlauf, denn die Landeshauptstädter waren weiter spielbestimmend. Zudem ließen die Leipziger vor allem in der Anfangsviertelstunde auch zu viele klare Chancen weg bzw. konnte der Dresdner Henrik Ruud Tovas Tore verhindern. Vor allem den jungen Spielern bei den Messestädtern merkte man zunächst den Respekt vor dem Gegner an. Der taktische Kniff, den im Eins-gegen-Eins starken Sascha Meiner auf der halblinken Angriffsseite der Leipziger spielen zu lassen, brachte kaum Erfolg, da die beste Abwehr der Liga darauf sehr gut eingestellt war. Die Dresdner waren hingegen im Angriff sehr dominant und weil die SG zunehmend fehlerhafter wurde, gelangen den Hausherren auch viele leichte Tore, wie bspw. beim 12:7 durch Arseniy Buschmann, den Henrik Ruud Tovas vorher mit einem Zauberpass bedient hatte. Bis zur Halbzeit hatten die Dresdner schon eine schönes Polster herausgeworfen und so ging man mit einer 7-Tore Führung (20:13) in die Kabine.

Zu Beginn der 2. Halbzeit hatte der HCE einen kleinen Hänger, welchen die Leipziger aber nicht weiter nutzen konnten. Danach bogen die Dresdner zusammen mit ihren Zuschauern immer mehr auf die Partymeile ein. Soll heißen, durch einen Greß-Treffer zum 26:16 in der 45. Minute war die Partie entschieden und auf den Rängen begannen schon die Feierlichkeiten. In der Folge rückten teilweise Spieler wie Lars Bastian noch einmal in den Vordergrund. Der Rechtsaußen, welcher für den Verein sein letzten Heimspiel bestritt, verwandelte zum Abschluss seiner Dresdner Zeit zweimal sicher vom Siebenmeterpunkt. Aber auch der in Dresden wohl für lange Zeit unvergessliche Timo Meinl kam noch einmal in den Kasten und zeigte ein paar Paraden. Auch ein Adrian Kammlodt demonstrierte mit ein paar schönen Aktionen sein mit Sicherheit vorhandenes Potenzial. Nicht zu vergessen Henning Quade, der im Abwehrzentraum mit Tjark Desler wieder eine Topleistung zeigte und zudem im Angriff überragend agierte. Erstgenannter zeigte damit erneut, welche tolle Entwicklung er in der Abwehrmitte genommen hat. So bauten die Dresdner die Führung immer weiter aus und führten in der 58. Minute sogar erstmals mit 15 Toren (35:20). Dieser Vorsprung war es dann auch am Ende der Partie (37:22). Der Rest war grenzenloser Jubel mit 950 Zuschauern, diversen freiwilligen und unfreiwilligen Sektduschen, unterschiedlichen Spielerknäulen sowie heiß begehrten Aufstiegsshirts.

Fazit: Mit dem 17. Sieg in Serie feierte der HC Elbflorenz am vorletzten Spieltag die Meisterschaft in der 3. Liga Ost. Dies ist nach 5 Jahren in der 3. Liga natürlich gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga! Damit nimmt der HCE endgültig eine handballerische „Leuchtturmfunktion“ im ostsächsischen Handball ein. Es ist zu hoffen, dass sich auch andere Vereine in der Region im Blick auf eine verstärkte Zusammenarbeit an diesem „Leuchtturm“ orientieren. Vor allem im Jugendbereich wäre ein vereintes „segeln“ in Richtung Leuchtturm wichtig.

Das Spiel dominierten die Dresdner von der ersten bis zur letzten Minute und gewannen am Ende auch in der Höhe verdient mit 37:22. Die 950 Zuschauer bekamen einiges geboten und boten einiges. Auch aufgrund der Fans schrieb der HC Elbflorenz so an diesem Tag Dresdner Handballgeschichte. Teil dieser unglaublichen Geschichte waren auch Lars Bastian, Tjark Desler, Henrik Ruud Tovas, Rico Göde (wird Co-Trainer) und René Jahn. Alle wurden nach dem Spiel gebührend verabschiedet. Letzterer hat sich zusammen mit Trainer Christian Pöhler in Dresden auf jeden Fall ein kleines handballerisches Denkmal gesetzt.

Hier sei noch einmal allen gedankt, welche uns seit Kürzerem oder Längerem unterstützen. Wir alle zusammen, der eine mit einem kleineren und der andere mit einem größeren Anteil, haben es geschafft! Wir alle zusammen haben nun ein neues Kapitel im Dresdner Handball aufgeschlagen und können nun neue schreiben, ohne die alten zu vergessen! Der Weg zu diesem Erfolg begann vor 11 Jahren und ist noch lange nicht zu Ende!

Tore zur 2. Liga: Tovas/Meinl (beide Tor), Bastian 2/2, Hruscak 4, Jurgeleit 9/4, Boese 4, Buschmann 1, Desler, De Santis 1, Kretschmer 1, Hoffmann, Greß 6, Kammlodt 4, Quade 5

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